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Igel

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Igel gefunden? Was tun?

1.  Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren. (Damit beginnt der "Pflegebericht", in den weiterhin Gewichtszunahme, Tierarztbesuche, verabreichte Medikamente usw. eingetragen werden.)

2.  Geschlecht des Igels bestimmen (Männchen: Hautiger Knopf = Penisöffnung in der Mitte der hinteren Körperhälfte. Weibchen: Scheide unmittelbar vor dem After). Dies ist vor allem in den Sommermonaten wichtig, wenn säugende Muttertiere vorkommen.

3.  Igel rundrum auf Verletzungen untersuchen.

4.  Unterkühlte Igel (und verwaiste Igelbabys!) wärmen. (Unterkühlung: Die Bauchseite fühlt sich deutlich kälter an, als die eigene Hand.) Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Wärmflasche mit einem Frotteehandtuch umwickeln, in einen passenden, hochwandigen Karton legen. Den Igel daraufsetzen und mit einem weiteren Handtuch zudecken.

5.  Fliegeneier und/oder -maden, Flöhe und Zecken entfernen. Fliegeneier- und maden, die sich vor allem in der warmen Jahreszeit bevorzugt in Wunden, aber auch in sämtlichen Körperöffnungen finden, sammelt man sorgfältigst mit der Pinzette ab. Flöhe lassen sich mit speziellem Flohspray (z.B. Kadox) abtöten. Zecken (nicht mit den Zitzen verwechseln!) zieht man mittels Pinzette ruckartig aus der Haut. Kein Öl verwenden!

6.  In jedem Fall und so bald wie möglich Tierarzt, Igelstation oder Igelberatungsstelle aufsuchen!

7.  Igelgehege mit Schlafhaus herrichten (siehe Unterbringung)

8.  Füttern - Erstversorgung: Falls kein Katzendosenfutter zur Hand, ein Ei zerquirlen, mit
wenig Fett, ohne Gewürze, in der Pfanne stocken lassen, mit der Gabel zerdrücken. Zum Trinken ein Schüsselchen mit Wasser (niemals Milch!) hinstellen.

9.  Kotuntersuchung vorbereiten (Kot zweier Tage in einem Filmdöschen sammeln). Kotuntersuchungen geben Aufschluß über Art und Größe des Befalls mit Innenparasiten bzw. über bakterielle Infektionen. Adressen von Untersuchungsämtern nennen Tierarzt, Igelstation, Veterinäramt.

10.  Gesunde Igel sofort wieder - möglichst am Fundort - freilassen!


Unterbringung des Igels

Igel sind Einzelgänger. Jeder Igel braucht also ein eigenes Gehege. Nur ganz junge Igel aus einem Wurf vertragen sich eine Zeitlang miteinander.

Ein Igelgehege soll mindestens 2 qm groß und absolut ausbruchsicher sein. Die Höhe der Seitenwände muß 45 bis 50 cm betragen. Am besten fertigt man das Gehege aus gut zu reinigenden, beschichteten Span- oder Hartfaserplatten an, und stattet es wegen der Wärmedämmung auch mit einem Boden aus. Diesen bedeckt man mit mehreren Lagen Zeitungspapier (nicht mit Sägemehl, Katzenstreu, Torf o.ä.), das täglich (!) zu wechseln ist.

Praxistip: Zum Bau des Igelgeheges lassen sich auch (möglichst lange!) Schranktüren verwenden. Durch Bohrlöcher (Ø 8 mm) an allen Ecken werden die Teile mit fester Schnur o.ä. lückenlos verbunden. Pappe jeder Größe als «Teppich» verklebt, ergibt einen saugfähigen und auswechselbaren Boden.

Als Schlafhäuschen wählt man einen oben zuklappbaren Karton von ca. 30 cm Kantenlänge und versieht ihn mit einem seitlichen Schlupfloch von ca. 10 x 10 cm. Das Schlafhaus wird mit reichlich zerrissenem und zerknüllten Zeitungspapier (kein Heu/Stroh, keine Lappen, keine Holzwolle) gefüllt, das man bei Verschmutzung austauscht.

Solange der Igel krank ist, bringt man ihn bei Temperaturen von 18 bis 20 Grad C unter. Immer sind Lichteinfall und Belüftung nötig. Stark belebte Räume (Küche, Kinderzimmer) sind für den sehr geräuschempfindlichen Igel ungeeignet!

Winterschlaf: Erreicht ein in menschliche Pflege genommener Jungigel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (600 bis 700 Gramm) erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, kann er nicht mehr ausgesetzt werden. Doch muß man ihm auch bei häuslicher Überwinterung Gelegenheit zum Winterschlaf geben. Zu diesem Zweck stellt man sein Gehege in ein kaltes Zimmer, auf den Balkon, auf die Terrasse, in ein Gartenhäuschen, oder man baut ein Freigehege im Garten. Kellerräume sind meist ungeeignet, weil zu warm. Die Umgebungs-temperatur kann ohne weiteres der Außentemperatur entsprechen, sollte jedoch 6o C nicht übersteigen. Bei höheren Temperaturen fällt der Igel nur in einen kräftezehrenden «Dämmerschlaf», in dem er weder fressen, noch winterschlafen kann.

Praxistip: Wenn dem Igel als Winterquartier der ganze Balkon zur Verfügung steht, muß er lückenlos ummauert sein. Selbst durch schmale Spalten oder Öffnungen kann er hinunterstürzen! Ebenso ist darauf zu achten, daß keine Stühle oder Tische dicht an der Brüstung stehen (Igel können sehr gut klettern!) Vorsicht auch mit Getränkekisten, Wassereimern, Tüten/Säcke ect. Igel können hineinkriechen oder -fallen.

Auch in seinem Winterquartier muß der Igel ausbruchsicher untergebracht sein. Ist der gewählte Ort vor Wind und Wetter geschützt, genügt es, das bisher benützte Schlafhäuschen in einen größeren Karton, andernfalls in ein Holzhäuschen (jeweils ca. 40 cm Kantenlänge) zu setzen. Zwischen beiden Häusern, sowie oben und unten, wird mit reichlich zerknülltem Zeitungspapier isoliert. Selbstverständlich schneidet oder sägt man auch in das Überhaus ein deckungsgleiches Schlupfloch.
Nachdem man den Igel in sein Winterquartier gebracht hat, füttert man ihn solange normal weiter, bis er das Futter nicht mehr anrührt. Bis dahin können einige Tage, aber auch Wochen vergehen.

Praxistip: Das Futter stellt man am besten in ein Futterhäuschen, etwa einen umgelegten Getränkekarton. Bei kalten und/oder feuchten Böden eignet sich als Wärmedämmung von unten z.B. eine mit Zeitungen oder Pappe gefüllte und mit Paketklebeband gut verschlossene Plastiktragetasche (Höhe ca. 4 cm). Aus denselben Materialien läßt sich auch ein regensicheres Dach herstellen.

Auslauf und Häuschen reinigt man nach wie vor. Hat sich der Igel dann offensichtlich zum Winterschlaf zurückgezogen, klebt man mit zwei Stückchen Klebeband ein Blatt Toilettenpapier vor das Schlupfloch. So kann man - ohne ins Schlafhaus zu fassen - auf einen Blick erkennen, ob das Tier  wieder aufgewacht ist und nachts sein Häuschen verlassen hat, oder ob es weiterschläft. Für alle Fälle stellt man ihm als «Notration» etwas Igeltrockenfutter und frisches Wasser hin. Unterbricht der Igel seinen Winterschlaf jedoch für einige Tage, bekommt er sein normales eiweißreiches Futter.

 

Den Igel wieder aussetzen

Aufwachen und Aussetzen: Nachdem der Igel - meist Ende März bis Mitte April - aus dem Winterschlaf aufgewacht ist, muß er wieder aufgefüttert werden. Innerhalb von zwei bis drei Wochen erreicht oder übertrifft er sogar das Gewicht, das er vor dem Winterschlaf hatte (Aussetzgewicht von Jungigeln: ca. 700 - 800 g). Ideal ist es, wenn er die Zeit bis zum Aussetzen in einem Freigehege verbringen darf. Er kann dort seine Muskeln trainieren und findet außer dem Futter im Napf auch schon etwas natürliche Nahrung, was ihm die Eingliederung in die Natur erleichtert.

Praxistip: Ein Freigehege für einen Igel sollte mindestens 4 qm groß sein, zwei Igel brauchen 8 qm usw. Als Zaunmaterial geeignet sind z.B. Wellpolyester, PVC-Platten, Holzbretter, halbrunde Palisadenhölzer, sehr feiner Maschendraht. Der Zaun muß mindestens 50 cm hoch sein und 10 - 15 cm in den Boden eingegraben werden. Einen Drahtzaun schließt man oben mit einem nach innen ragenden Brett ab, damit er nicht überklettert werden kann. Ein Baum oder Büsche im Gehege spenden dem Schlafhaus den nötigen Schatten.

Das Futter wird in ein regendichtes Häuschen mit gut zu reinigendem Boden gestellt. Um das Futter vor Katzen zu schützen, empfiehlt sich der Bau eines Futterhauses. (Es ist später auch gut zur Zufütterung der freilebenden Igel in den nahrungsarmen Jahreszeiten geeignet.) Auch im Freigehege ist Sauberkeit oberstes Gebot!

Die Zeit zum Aussetzen ist gekommen, wenn im Frühjahr Sträucher und Hecken ergrünt, die Nahrungstiere des Igels wieder vorhanden sind, und auch die Geranien in den Blumenkästen ins Freie kommen (ca. Ende April bis spätestens Mitte Mai).

Soll der Igel im eigenen Garten ausgesetzt werden, baut man einfach das Gehege ab, beläßt aber das Schlafhaus und beschickt die Futterstelle weiterhin, bis der Igel beides ignoriert.

Kennt man den Fundort des Igels, so ist er unbedingt dort wieder hinzubringen. Igel haben ein gutes Ortsgedächnis! Muß man ein Aussetzgelände suchen, ist zu beachten, daß der neue Lebensraum Nahrung und Deckung bietet. Nicht infrage kommen steile Hanglangen, feuchte Böden, Flußufer, Überschwemmungsgebiete, Nadel- und Laubhochwälder, ausgeräumte landwirtschaftliche Flächen, die Nähe von nachts stark befahrenen Straßen, Baustellen, Gebiete mit regelmäßigem Insektizideinsatz.

Die beste Zeit zum Aussetzen ist die Abenddämmerung.

Praxistip: Vor dem Aussetzen müssen meist die Krallen des Igels gekürzt werden. Betrachtet man sie von der Fußsohle aus, sieht man die hohlen Teile der Krallen, die abgeschnitten werden können.


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