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Wissen aus Fauna – Russische Landschildkröte

Die Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii), auch Steppenschildkröte oder Russische Landschildkröte genannt, ist eine Art der Familie der Landschildkröten.

1. Geschichte und Herkunft
2. Aussehen und Merkmale
3. Lebensweise

1. Geschichte und Herkunft

Russische Landschildkröte  1Zum Lebensraum der Steppenschildkröte zählen lehmige Wüsten, Steppenbereiche in der Umgebung von Oasen sowie grasige Flächen in der Nähe von Quellen und Fließgewässern.
Die Tiere besiedeln in vier Unterarten die Region östlich des Kaspischen Meeres über Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan und südwärts bis Ost-Iran, Nord-Afghanistan, Pakistan und West-Belutschistan bis hinein in das westliche China. Die Vierzehenschildkröte heißt auch Steppenschildkröte, denn sie bewohnt ausgesprochen aride, teilweise steinige Landstriche wie auch Lehmsteppen.

Im Verbreitungsgebiet herrscht sommerheißes und trockenes sowie winterfeuchtes und eiskaltes Kontinentalklima vor. Dieses ist gekennzeichnet durch große tägliche und jahreszeitliche Temperaturschwankungen bis zu 40 °C, wobei Regenfälle den Hochsommer über oft völlig ausbleiben. Diese Umstände verlangen den Tieren in ihren kargen Lebensräumen eine enorm große Anpassungsfähigkeit ab.

2. Aussehen und Merkmale

Die Art erreicht eine Größe von 15 cm (Männchen) bis etwa 25 cm, sehr selten 28 cm Körperlänge (Weibchen) und wiegt dann etwa zwischen einem halben und zwei Kilogramm. Bei Männchen ist der Bauchpanzer zudem konkav geformt, außerdem haben diese einen längeren und dickeren Schwanz, welcher mit einem kleinen Hornnagel endet.

Charakteristisch für die Vierzehenschildkröte ist der ovale bis kreisrunde Rückenpanzer, der insgesamt deutlich flacher ist als bei allen anderen Arten. Die Färbung reicht von gelblich über oliv bis braun oder ocker mit verschieden großen dunklen Flecken. Sehr alte Tiere können fast schwarz, aber auch fast zeichnungslos gelbbraun sein. Die Weichteile sind gelb bis braun manchmal sogar leicht grünlich, der Schwanzschild ungeteilt und an den kräftigen Vorderbeinen befinden sich, im Gegensatz zu den anderen Testudo-Arten, grundsätzlich nur vier Zehen, die sehr kräftige Krallen tragen.

3. Lebensweise

Die kräftigen Krallen an den starken Vorderbeinen und der flache Panzer ermöglichen der Vierzehenschildkröte das Graben bis zu vier Meter langer Gänge, die wiederholt genutzt werden. Nachts, bei großer Hitze, während der Sommer- und der Winterruhe zieht sie sich in diese zurück, da sie Sicherheit vor Fressfeinden bieten und die Temperaturen in der Erde relativ konstant bleiben. Oft sieht man sie morgens bei ungewissem Wetter abwartend am Höhleneingang sitzen.

Russische Landschildkröte 2Die Winterruhe dauert bis Mitte oder Ende März und damit teilweise bis zu 6 Monate. So hart und kalt die Winter sind, so schnell und übergangslos bricht die warme Jahreszeit mit einer anfangs ausgiebigen Pflanzenfülle herein. Nur drei bis fünf Monate stehen diesen Schildkröten zur Verfügung, um zu fressen, zu wachsen und sich zu vermehren. Schon im Frühsommer machen die hohen Tagestemperaturen und die beginnende Trockenheit die Futtersuche tagsüber immer schwerer, so dass die Morgen- und Abendstunden dafür genutzt werden müssen. Im Hochsommer ist es in vielen Lebensräumen so heiß und trocken, dass sich die Tiere wegen Futtermangels und der Hitze zu einer ein- bis zweimonatigen Sommerruhe zurückziehen und, wenn überhaupt, erst im September wieder erscheinen. Den kurzen Zeitraum bis zur Winterruhe nutzen sie nochmals zur ausgiebigen Futtersuche, bis sie sich Mitte bis Ende Oktober aufgrund der nächtlichen, oft sehr kräftigen Minustemperaturen wieder in die Winterruhe begeben.

Die extrem kargen natürlichen Lebensverhältnisse sind in den Tieren so stark verankert, dass sie auch in menschlicher Obhut alles an Futter nützen, was sie erlangen können. Deshalb neigen sie besonders stark zur Fettleibigkeit. Sie fressen auch noch bei relativ niedrigen Temperaturen. Vor allem im Frühjahr ist ihr Appetit enorm groß. Die Hauptnahrung muss deshalb eine kontrollierte Menge einer ausgewogenen Mischung aus stark rohfaserreichen Wildkräutern und daraus hergestelltem Heu sein. Das Futterangebot sollte, dem natürlichen Lebensraum entsprechend, dem Sommer zu immer geringer und rohfaserreicher werden. Gern gefressen wird Löwenzahn, Wilde Malve, Wegerich, Klatschmohn, aber auch Brombeerblätter, Glockenblume, Lichtnelke, Wicke, Erdbeerblätter uvm. Auch faseriger Lauch und Blätter von Linde oder Weide werden gerne angenommen. Auf Salat sollte man nur in Ausnahmefällen zurückgreifen.
Zusätzlich sind die Tiere auf eine ausreichende Kalzium-Versorgung angewiesen. In freier Natur geschieht dies über mineralhaltigen Boden, Knochen oder Schneckenhäuser.